Lehrkräfte finden hier deutschsprachige Musikvideos mit Didaktisierungsvorschlägen für den DaF-und DaZ-Unterricht in unterschiedlichen Altersgruppen und Niveaustufen. Im Archiv gibt es bereits mehr als 490 Beiträge. Gerne können Sie sich kostenlos per E-Mail abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben.
Gute Laune
Fasching in Deutschland ist die Zeit, in der sich viele Menschen verkleiden, Party machen und Spaß haben, meistens mit Umzügen, Musik und Süßigkeiten.
Die sogenannte Fünfte Jahreszeit dauert vom 11. November bis zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch. Wenn man zur Weiberfastnacht, am Rosenmontag oder Faschingsdienstag so richtig feiern möchte, braucht man natürlich Gute-Laune-Musik. Schlager sind fröhlich, leicht verständlich und man kann bereits ab A1 mitsingen:
Grammatik ab A1: Lokaladverbien wie oben, unten, vorne, hinten, rechts, links, überall sind nützlich, denn sie dienen der räumlichen Orientierung und können eine Position oder Richtung beschreiben. Lernende singen den Ohrwurm mit und begleiten die Lokaladverbien mit entsprechender Gestik.
Mini-Projekt ab A1: Der Mitmach-Song „Gute Laune“ der Band Großstadtengel ist aktuell in den Charts platziert und verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf TikTok, ob auf der Baustelle, im Bundestag oder beim Kinderturnen. Wie wäre es mit einer eigenen TikTokVersion ihrer Kursteilnehmenden?
Auf DeutschMusikBlog gibt’s mehr zur 5. Jahreszeit
Gegenteil-Lied
Für Kinder, die Deutsch lernen, sind Adjektive besonders interessant und wichtig, weil man mit ihnen Dinge genauer beschreiben kann und sie die Sprache lebendiger machen.
Spielidee: Ein Kind nennt ein Adjektiv und die anderen Kinder rufen im Chor das Gegenteil. Durch Bewegung werden Adjektive außerdem sichtbar und leichter verständlich.
Auf DeutschMusikBlog gibt’s mehr zum Thema Adjektive für Kinder:
Verwandtschaftstreffen
Alle Jahre wieder: Rian würde das Verwandtschaftstreffen an Weihnachten gern verpassen, aber leider steht die Familie schon vor der Tür. Und wie jedes Jahr eskaliert die Situation …
A1-Familienbezeichnungen sammeln (HV oder LV):
- Welche Familienmitglieder kommen zum Verwandtschaftstreffen? Mom, Onkel, Opa, Tante, Bruder, Schwager, Muttis Vater, Oma, …
- Wer kommt noch dazu? Melchior, Baltahasar und Caspar (die drei heiligen Könige), 14 Freunde und der Nachbar.
A2-selektives Lesen:
- Wer demoliert den Christbaum?
- Wer fällt politisch wieder auf?
- Wer sagt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt?
B1-Redeanlass: Gehören Sie auch zu den Weihnachtsmuffeln, denen der ganze Feiertags-Rummel auf die Nerven geht? Wie lauten Ihre Tipps für ein harmonisches und stressfreies Fest?
Auf DeutschMusikBlog gibt’s mehr zum Thema Weihnachten:
Opernpathos und Popkultur
Die spanische Sängerin Rosalía hat mit ihrer Single „Berghain“ die Musikwelt überrascht. Begleitet vom London Symphony Orchestra, ist ihr Song geprägt von starken Einflüssen aus der Oper und klingt hochdramatisch. Seit Erscheinen wurde das Video bereits 30 Mio. mal aufgerufen.
Interessant ist, dass neben Spanisch und Englisch auch auf Deutsch gesungen wird. Der Titel „Berghain“ verweist auf den legendären Berliner Techno-Club. Wer gedacht hat, dass ihr neuer Song in eine Techno-Richtung geht, liegt falsch: Das epische Lied gleicht eher einer klassischen Kantate.
Rosalía ist zwar keine ausgebildete Opernsängerin, aber sie hat klassische Gesangstechniken gelernt und nutzt bewusst diese Klangästhetik, um Emotion und Theatralik in moderne Musikformen zu bringen.
Hörverstehen ab A2: Lernende konzentrieren sich auf den deutschen Text des Chorgesangs (im Video 0:48-1:20) und beenden Sätze.
Seine Angst …
Seine Wut …
Seine Liebe …
Sein Blut …
Deutsch ist eine der traditionell wichtigsten Sprachen der Oper. Viele klassische Werke von Mozart, Wagner, Strauss oder Schubert sind auf Deutsch verfasst. Deutsch eignet sich aufgrund seiner klaren Konsonanten, kräftigen Vokale und prägnanten Betonung besonders gut für dramatischen, opernhaften Gesang.
Auf DeutschMusikBlog gibt’s mehr zum Thema klassischer Gesang
In meinem Garten
Wie schafft es ein Lied von Reinhard Mey aus den 70-er Jahren auf Platz 15 der Charts? Das hat mit der Netflix-Doku über den Rapper Haftbefehl zu tun.
In einer der eindrücklichsten Szenen der Dokumentation ist Haftbefehl sichtlich am Tiefpunkt angelangt, als er Reinhard Meys Song „In meinem Garten“ übers Handy abspielt:
B2-Textarbeit mit dem Lyric-Video: Die Bedeutung von Metaphern erkunden, z.B.
- vom Garten, als Sinnbild der eigenen Biografie
- von der blauen Blume, die auf Geröll wächst
- vom Haus, das ein kaputtes Dach hat
- vom schwarzen Vogel, der dort ein Nest baut
Mehrsprachigkeitsdidaktik: Reinhard Mey ist in Frankreich bekannt als Frédérik Mey. Französische Deutschlernende können den deutschen und den französischen Text vergleichen.
Und wieso ist Haftbefehl eigentlich so erfolgreich?
Deutschrap ist zwar oft explizit und stellt drastische Themen in den Vordergrund, spielt aber auch virtuos mit Sprache. Haftbefehl integriert beispielsweise Vokabeln aus dem Türkischen oder dem Kurdischen in seine Texte und beeinflusst so die Jugendsprache. Neben vielen Songs, die sich seiner kriminellen Vergangenheit widmen, nimmt er auch immer wieder sozialkritische Themen in seine Texte auf, etwa dem Aufwachsen in problematischen Verhältnissen, Erfahrungen von Armut, Gewalt und Drogen.
Perfekt mit haben oder sein?
„Hänschen klein“ ist ein bekanntes und beliebtes deutsches Kinderlied. Die einfache Melodie eignet sich gut für den DaF-Unterricht:
A1-Phonetik: Das Lied mitsingen und deutlich syllabieren. Kinder, die bereits die Schriftsprache erworben haben, nutzen das Lyric-Video um gleichzeitig zu hören, zu lesen und mitzusingen.
A1-Sehverstehen: Was macht Hänschen? Verben sammeln.
- Hänschen packt seinen Rucksack und geht in die weite Welt hinein.
- Die Mutter weint. Sie winkt Hänschen und wünscht ihm Glück.
- Hänschen wandert. Später läuft er wieder nach Hause.
- Die Mutter kommt, schaut ihn an und ruft: „Grüß dich!“

A2-Grammatik: Lernende erzählen im Perfekt, was passiert ist. Dazu benötigen sie das Partizip II und haben oder sein.
Variation: Neue Strophen auf eine bekannten Melodie zu erfinden ist hilfreich, weil die Lernenden sich dann auf den Text statt auf die Melodie konzentrieren können. Der Rhythmus, die Wiederholung und die Kombination mit Bewegung erleichtern das Memorieren von Wörtern und Strukturen.
Strophe 1: Perfekt mit sein. Die Person hat sich bewegt und die Position verändert.

- Ich bin gegangen,
- ich bin gefahren,
- ich bin geflogen weit, weit fort.
- Ich bin gesprungen,
- ich bin gerannt,
- ich bin zurückgekehrt sofort!
Strophe 2: Perfekt mit haben. Es geht nicht um die Bewegung, sondern um eine Tätigkeit am selben Ort.

- Ich habe gelacht,
- ich habe gespielt,
- ich habe gemalt und auch viel erzählt.
- Ich habe gesungen,
- ich habe getanzt,
- ich habe so viele Sachen gemacht!
Bewegungsspiel: Eine Person nennt die Partizip II-Form eines Verbs. Wenn es ein Bewegungsverb ist, stehen die Schüler*innen auf (→ sein). Wenn es ein Tun-Verb ist, bleiben die Schüler*innen sitzen (→ haben).
Beispiel:
- Lehrer*in: „gegangen!“ Kinder stehen auf → „sein!“
- Lehrer*in: „gespielt!“ Kinder bleiben sitzen → „haben!“
Wagners Walkürenritt
Der Walküren-Ritt aus der Wagner-Oper Die Walküre kommt vielen Menschen bekannt vor, weil die Melodie in zahlreichen Filmen, Fernsehsendungen und Werbung verwendet wurde. Die eingängige Melodie und die dramatische Orchestrierung tragen zum Wiedererkennungswert bei.
Walküren sind Kriegerinnen aus der Götterwelt. Im Video sieht man, wie sie auf ihren Pferden durch die Luft reiten und dabei laut und fröhlich singen. Sie suchen die Krieger, die im Kampf gestorben sind und bringen sie nach Walhall, dem Haus der Götter.
Phonetik: Das deutsche „h“ wird am Anfang eines Wortes oder einer Silbe als Hauchlaut ausgesprochen, z.B. bei Hallo. Wenn das „h“ jedoch nach einem Vokal steht, wird es meist nicht gesprochen, sondern gedehnt, d.h. der Vokal wird länger gesprochen.

Der Text, den die Walküren im Walküren-Ritt singen, beginnt mit dem berühmten Ruf: „Hojotoho! Hojotoho! Hei, hei, hei!“ (im Video bei 1:22). Die klare Artikulation des „h“ trägt zur dramatischen Wirkung der Szene bei und verstärkt den heroischen Charakter des Rufs.
Auf DeutschMusikBlog gib es mehr zum Hauchlaut H:
Zeitgeschichte ab B2:
- Wagners Pathos und der Nationalsozialismus? Warum Adolf Hitler Wagner vergötterte.
- Wagners Musik und der Sound Hollywoods: Durch Hollywood wurde der Walkürenritt nachhaltig im Gedächtnis der Popkultur verankert.
Gegensätze ziehen sich an
Bei EROBIQUE & JACQUES PALMINGER geht es um ein Paar, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Doch trotz großer Differenzen haben die beiden sich gerni, so wie Bert & Erni.
A2-Hörverstehen: Lernende notieren Unterschiede.
- Strophe 1:

- Strophe 2:

Eigene Sätze bilden: Ich liebe … ; du liebst … .
Geister in der Nacht
Die Nächte werden länger, die Luft kühler – und plötzlich spukt es wieder überall. Im Oktober macht das Gruseln wieder Spaß. Also: Leintuch schnappen und mitgeistern! Die netten Geister von TiRiLi sind zum Glück ganz freundlich …

Der narrative Ansatz im DaF-Unterricht: Geister auf die Bühne bringen, z.B. auf der Erzählschiene hin- und herschieben und dazu geheimnisvolle Geschichten erzählen, gespenstische Lieder singen oder schaurige Gedichte vortragen.

- Kleines Gespenst fliegt durch die Nacht,
hat oft schon leise „Buh!“ gemacht.
Es meint das gar nicht böse, nein –
es will nur nicht allein sein!
Oder mit selbstgebastelten Stabfiguren geistern gehen: Geister werden gemalt, ausgeschnitten und auf Holzstäbe oder Papierstreifen geklebt. Eine Taschenlampe dazu – und schon kann draußen in der Dunkelheit gespenstisch herumgegeistert werden!
Die vier Jahreszeiten
Der deutsch-britische Komponist Max Richter hat Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ neu komponiert, hier dirigiert von Tyrone Clinton:
Richters Musik bietet durch die Mischung aus Klassik und moderner Minimalmusik eine dichte, emotionale Atmosphäre. Sie ist hervorragend geeignet, um kreative Schreibprozesse bei DaF-Lernenden anzustoßen.
Wortschatzarbeit: Das Jahreszeitenthema lässt sich sehr gut im Unterricht auf A1-A2 einsetzen, weil es viele bekannte Vokabeln und Situationen aufgreift sowie emotional und bildlich ansprechend ist. Es bietet sich an, mit der kooperativen Methode „Denken, Tauschen, Teilen“ (think-pair-share) zu arbeiten:
- Schritt 1: Lernende ziehen einen Zettel mit einer Jahreszeit. Sie hören individuell die entsprechende Musik für ein paar Minuten über Kopf- oder Ohrhörer (z. B. Frühling 00.00- 02:33, Sommer 18:24-22:07, Herbst 22:08-28:23, Winter 33.50-26:59). Währenddessen machen sie spontan Notizen zum Wortfeld der Jahreszeit. Dabei können typische Aktivitäten, Gegenstände sowie Assoziationen festgehalten werden (z. B. Farben, Klänge, Gefühle und Bilder).
- Schritt 2: Lernende, die dieselbe Jahreszeit gewählt haben vergleichen ihre Notizen und gestalten gemeinsam ein Jahreszeiten-Plakat, das zusätzlich durch Piktogramme ergänzt wird.
- Schritt 3: Das Plakat wird im Plenum präsentiert: „Das ist typisch für unsere Jahreszeit …“ und später im Klassenzimmer ausgestellt.
